Warum habe ich Food Pairing ausprobiert?

Schokolade mit Chili, süsse Tomatenmarmelade und Gin-Tonic mit Gurke kennen wir mittlerweile. Doch was wir mitunter als einen etwas bizarr anmutenden Abstecher in die kreative Phantasieküche abtun, ist weitaus mehr als das Produkt eines gelangweilten Kochs.

Was ist Food Pairing?

Unter dem Begriff „Food Pairing“ fasst man seit einigen Jahren die Kombination sehr unterschiedlicher Aromen zusammen, die zwar auf den ersten Blick unvereinbar zu sein scheinen, tatsächlich aber überraschend gut harmonieren und sich sogar gegenseitig hervorheben.

Ein Hauch Vanille zum Beispiel unterstreicht das Aroma von Erdbeeren, Ziegenkäse schmeckt mit etwas Honig noch viel besser und wer schon einmal knusprigen Bacon mit getrockneten Sauerkirschen gekostet hat, weiss genau, wovon ich spreche!

Obwohl „Food Pairing“ seit langem gängige Praxis bei vielen leidenschaftlichen Köchen ist, hat es längst nicht Einzug in die meisten Küchen gehalten. Auch in meine nicht.

Obwohl ich furchtbar gerne koche und mit wachsender Begeisterung mit Rezepten und Zutaten experimentiere, wusste ich nicht, dass es eine regelrechte Wissenschaft um Gerüche, Aromen und Konsistenzen von Lebensmitteln gibt, eine Wissenschaft, bei der es um das Unterstreichen von Sinneseindrücken und das Kreieren unvergesslicher Geschmackserlebnisse geht.

food pairing
auf amazon.de inspizieren

Ein Zeitungsartikel hat mich auf mit der Nase auf „Food-Pairing“ gestossen.

Eher durch Zufall wurde ich durch einen Artikel in dem Magazin der „Süddeutschen“ (hier) auf das Thema „Food Pairing“ aufmerksam und war sofort „angepitcht“. Bei meiner Recherche stiess ich auf zahlreiche tolle Kochbücher und eine gut gemachte Internetseite für Laien und Profis rund um das optimale Kombinieren von Lebensmitteln (vgl. https://www.foodpairing.com)
Ich meldete mich sofort bei www.foodpairing.com an und bestellte gleich danach bei Amazon den im April 2016 neu erschienenen Titel „Aromen Feuerwerk“ von Katharina Küllmer.

Rosmarin passt zu gerösteten Pfirsichen und Thymian zu Blaubeeren?

Rosmarin passt zu gerösteten Pfirsichen und Thymian zu Blaubeeren?

Gut gemachte Kochbücher sind sowieso schon meine liebste Bettlektüre, aber das „Aromen Feuerwerk“ war sowas von „Wow“, dass ich sofort mit Post-its die ersten Rezepte markierte und eine Einkaufsliste begann: „Masala-Chai-Latte mit Earl-Grey-Eiswürfeln“, „Basilikum-Salz“, „Granita mit Sekt und Granatapfel“, „Limonade aus gegrilltem Pfirsich“, „Pulled Pork mit BBQ-Sauce“ und auch die „Tahini mit Liquid Smoke“ musste ich unbedingt ausprobieren – und alle anderen Rezepte anschliessend auch!

Wer kein grosser Esser ist geniesst jeden aromatischen Bissen um so mehr…

Zwar bin ich selbst kein grosser Esser und bin relativ schnell satt, aber ich esse furchtbar gern und geniesse jeden guten Bissen so sehr, dass ich alles um mich herum für einen Moment vergessen kann. Eine saftige, reife Erdbeere schmeckt toll. Eine saftige, reife Erdbeere mit einem Hauch Vanille und einer Prise Pfeffer aber beschäftigt die Sinne so sehr, dass man ganz im Hier und Jetzt ankommt.

… und kommt für einen Moment ganz im Hier und Jetzt an.

Beim Ausprobieren der Rezepte bin ich immer tiefer eingetaucht in die Welt der Aromen und habe die Faszination kennen gelernt, die das Zusammenspiel von Süsse, Bitterkeit, Schärfe und Säure haben kann. Aromatischer Ziegenkäse mit salzigem Speck, süssem Honig und saftig-reifen Heidelbeeren zum Beispiel ergibt ein solche harmonisches Feuerwerk an sich scheinbar widersprechenden Aromen und Konsistenzen, dass die Zeit für einen Moment stehen zu bleiben scheint.

Foodpairing ist der heilige Gral für Geniesser und macht einfach nur Spaß.

Ich will mehr wissen und recherchiere eifrig Geschmackskombinationen auf foodpairing.com, weil mir das nicht reicht, bestelle ich bei Amazon noch das „Lexikon der Geschmacks- und Aromenkombinationen“ mit vielen ausführlichen Informationen zu empfehlenswerten Kombinationen von Lebensmitteln und Kochtechniken sowie Tipps für raffinierte Zusammenstellungen von Aromen und Konsistenzen.

Gute frische Zutaten und ein Gespür für Aromen sind das Geheimnis des raffinierten Kombinierens

Mit kleinen Veränderungen grossartige Wirkungen erzielen: das ist der Sinn und Zweck von Food Pairing. Es bedarf keines grossen Budgets oder exklusiver Feinkostimporte, um aus einem Butterbrot-Abendessen ein Fest für die Sinne zu machen, aus einem simplen Stück Käse ein überraschendes Geschmacks-Highlight.

Ein Zweig Rosmarin im Honig, einige Orangenzesten zwischen den Erdbeeren und ein Paar geröstete Mandelsplitter in der Sahne machen den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Essen und Geniessen, zwischen Nahrungsaufnahme und Lebensfreude.

Wer den Hintergrund von Foodpairing einmal verstanden hat, der weiss, dass es nicht um Haute Cuisine, um Magische Küchengeheimnisse oder mühsam erlerntes Wissen geht, sondern schlicht und ergreifend um eines: um die Freude am Geschmack.

Mein Fazit: Grossartig!

Der erste Schritt kostet Überwindung, aber wer alle Hemmungen abgelegt hat und erste Erfolge verbucht, wird mutig. Überraschend leckere Gerichte lassen sich mit nur wenigen Zutaten zaubern und mit der Zeit merkt jeder Food-Pairer, wie viel er bislang verpasst hat und welch grossartige Genüsse die Natur ganz ohne chemische Unterstützung zu bieten hat.

Pfeffer und Salz hat jeder im Haus, ein Paar Kräuter gibt es günstig in jedem Supermarkt und nach und nach, ganz langsam und nach Budget, füllen sich die Schränke mit Gewürzen, Essenzen und Zutaten, die dem üblichen Alltags-Einerlei den phantasievollen Hauch des Besonderen geben.

Ausprobieren – unbedingt!

Empfehlenswerte weiterführende Literatur und Links zum Foodpairing:

  • Foodpairing.com https://www.foodpairing.com/
  • Kochbücher: Katharina Küllmer: Aromen Feuerwerk. Gerichte mit Gewürzen, Kräuter & Früchten. Igling 2016
  • Karen Page u. Andrew Dornenburg: Das Lexikon der Aromen und Geschmackskombinationen. Aarau und München 2014
  • Rolf Caviezel, Thomas A. Vilgis: Foodpairing – Harmonie und Kontrast. Lenzburg 2012
  • Niki Segnit, Maria Mill: Der Geschmacksthesaurus: Rezepte, Ideen und Kombinationen für die kreative Küche. München 2011
  • Heiko Antoniewicz: Flavour Pairing. Stuttgart 2013